Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) unter 3.000 Versicherten haben innerhalb eines Jahres 23 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten (GKV) mindestens ein solches Angebot bekommen.
Vor drei Jahren wurde nur rund neun Prozent der GKV-Versicherten eine so genannte individuelle Gesundheitsleistung (Igel) angeboten. Inzwischen haben bereits 16 Millionen Versicherte entsprechende Offerten bekommen.
Augendruck liegt vorn
Dabei sei bei den Angeboten der persönliche Nutzen für den Patienten keineswegs immer klar. Es fehle an ausreichender Transparenz in diesem Privatmarkt, eine systematische Qualitätssicherung gebe es nicht.
An der Spitze liegen laut Patientenaussagen
· Augeninnendruck-Messungen (17,0 Prozent),
· Ultraschall-Untersuchungen (16,8 Prozent),
· ergänzende Krebsfrüherkennung bei Frauen (14,1 Prozent) und
· Labor-Untersuchungen (7,3 Prozent).
Auf diese vier Gruppen entfällt mehr als die Hälfte der angebotenen Leistungen.
Frauen- und Augenärzte wollen mehr verkaufen
Frauenärzte und Augenärzte liegen bei diesen Verordnungen vorn. Im Durchschnitt machen sie zehnmal häufiger als Allgemeinmediziner private Leistungsangebote. Es folgen die Urologen (sechsmal) sowie die Orthopäden und Hautärzte (viermal).
Dabei werden in deutlich größerem Umfang Patienten mit überdurchschnittlicher Bildung und höherem Einkommen angesprochen. Nur jeder fünfte Patient (20,8 Prozent) mit Einkommen bis 2.000 Euro Haushalts-Nettoeinkommen sollte demnach etwas dazukaufen.
Nach Finanzkraft und Bildung ausgesucht
Demgegenüber berichtet knapp ein Drittel (31,7 Prozent) der Patienten mit höheren Einkommen (mehr als 4.000 Euro) über ein individuelles Angebot des behandelnden Arztes. Patienten mit hoher Schulbildung werden doppelt so häufig private Zusatzleistungen angeboten (32 Prozent) wie Patienten mit einfacher Schulbildung (15,5 Prozent).
Auf den Seiten des Wido-Monitor kann die Befragung zum Igel-Markt detailliert nachgelesen werden.
Elke Pohl