26.11.04

Hochrechnung oder Schönrechnung?

 

Zwei Drittel der Beschäftigten erwarten laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) für die Zukunft keine Renten-Steigerungen mehr. Trotzdem wird die Renteninformation der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) immer noch mit Hochrechnungen oder minimal einer "Nullvariante" versendet.

Wie die DIA informiert, verwendet die BfA bislang drei Varianten der nach § 109 SGB VI vorgeschriebenen jährlichen Renteninformation für alle ab 27-Jährigen:
·    Hochrechnung der Altersrente mit einer jährlichen Steigerung von 2,5 Prozent
·    Hochrechnung der Altersrente mit einer jährlichen Steigerung von 1,5 Prozent
·    Hochrechnung ohne Steigerungs-Prozentsatz


Hieran wird kritisiert, dass diese Sätze zu hoch sind. Diese Kritik ist grundsätzlich nicht neu, aber auch nach der in diesem Jahr vorgenommenen Senkung auf die oben genannten Steigerungssätze würde kein realistisches Bild von der zu erwartenden Rente entstehen.


Kaum einer rechnet noch mit Steigerungen
Dazu die DIA: "Lediglich zwei Prozent der Befragten halten es jedoch für realistisch, dass die Renten jährlich steigen werden. Demnach könnte sich die BfA die Berechungsvarianten mit regelmäßigen Steigerungen sparen".


Stattdessen würden allgemein eher Kürzungen erwartet, so dass auch die Darstellung einer Hochrechnung mit einer Kürzung der Leistungen realistisch erschiene, so Bernd Katzenstein, Sprecher der DIA.


Inflationswirkung wird übersehen
Bernd W. Klöckner, Leiter des Klöckner-Instituts, verstärkt die Kritik sogar noch und weist darauf hin, dass die Rentenversicherung zusätzlich ihre Versicherten nicht über die Wirkung der Inflation aufkläre. Aber "die in der BfA-Berechung dokumentierten Beträge dürfen nicht mit heutiger Kaufkraft gleich gesetzt werden".


Klöckner nennt ein Beispiel eines 38-jährigen Arbeitnehmers, der laut Renteninformation 1.599 Euro Rente erwarten dürfe bei der Variante ohne Steigerungs-Prozentsatz oder sogar 2.391 Euro bei der Variante mit 1,5 Prozent jährlichem Zuwachs.


Altersarmut befürchtet
Die Rechung sehe jedoch völlig anders aus, wenn man zum einen eine zweiprozentige Kürzung wegen der absehbaren demografischen Entwicklung plus die Wirkung einer Inflationsrate von zwei Prozent berücksichtige. Klöckner: "Die zu erwartende Rente beträgt dann nach heutiger Kaufkraft nur noch 475 Euro".


Als Folge sieht Klöckner, dass Armut im Alter dann zur Regel werde statt die Ausnahme zu bleiben.  Als Gründe vermutet er: "Die fatale Kombination aus möglicher Rentenkürzung und Wirkung der Inflation wird bislang selbst von renommierten Instituten wie seitens der Politik entweder nicht beachtet, verschwiegen oder ist schlichtweg unbekannt".


Information erfüllt dennoch wichtige Aufgabe
Die Renteninformation wird allerdings nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Laut der DIA-Umfrage fänden es 78 Prozent "grundsätzlich positiv, dass sie ein entsprechendes Schreiben der BfA erhalten haben".


Mehr als die Hälfte sehe sich sogar dadurch animiert, sich mit dem Thema Altersversorgung stärker auseinander zu setzen.


Excel-Download
Interessenten können die von Klöckner angestellte Rechnung mit eigenen Zahlen nachrechnen und das Ergebnis grafisch anzeigen lassen.


Dazu stellt das Online-Fachmagazin VersicherungsJournal einen Excel-Download zur Verfügung. Der Rechner wird im Browser angezeigt und kann in den farbig unterlegten Feldern mit eigenen Daten gefüllt werden. Auch eine Speicherung auf dem lokalen Laufwerk ist möglich.


Matthias Beenken