Die unabhängige deutsche Ratingagentur Scope Group hat erstmals die wichtigsten Schiffscharterer für deutsche Beteiligungsgesellschaften einem Rating unterzogen. Damit reagiert Scope auf den zunehmenden Einfluss der langfristigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Charterern auf die Wertentwicklung von Schiffsbeteiligungen.
In einem ersten Schritt hat die Scope Group 32 der wichtigsten Schiffscharterer einer Bewertung unterzogen. Bei dem Rating wurden keine Bestnoten vergeben. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der Charterer. Nur ein Unternehmen erhielt das Rating „A“ (hoch), die anderen Gesellschaften bewegen sich zwischen „BBB+“ (erhöht) und „CC-“ (minder). Erwartungsgemäß korreliert das Standing einer Firma häufig mit deren Größe. Gleichwohl wurden auch bei den großen Unternehmen Risikofaktoren wie eine hohe Fremdkapitalquote oder ein hoher Anteil von Chartertonnage festgestellt. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können diese Faktoren die Leistungsfähigkeit der Gesellschaften stark einschränken“, so Steffen Möller, Senior Analyst Shipping bei Scope. Darüber hinaus ist die Flottenexpansionspolitik von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Während einige Charterer auch in Zukunft mit wenigen Schiffen operieren wollen, erweitern andere ihre Flotte um bis zu 40%. „Eine zu starke Expansion in Boomphasen birgt jedoch das Risiko von Überkapazitäten in konjunkturell schwächeren Zeiten“, hebt Möller hervor.
In den vergangenen zehn Jahren investierten deutsche Anleger mehr als 15 Mrd. € in Geschlossene Schiffsbeteiligungen. Rund die Hälfte der weltweiten Neubau-Containerflotte wird von deutschen Beteiligungsgesellschaften finanziert und kontrolliert. Im Bereich der Chartertonnage bei Containerschiffen liegt dieser Anteil sogar bei rund 80%. Damit kommt den deutschen Investoren eine äußerst dominante Rolle in diesem Markt zu. Die Mehrzahl der Schiffe, die von den Fonds gehalten werden, ist an international agierende Logistikunternehmen verchartert. Allein in diesem Jahr werden wieder über 1 Mrd. € von Charterern für die Nutzung der Schiffe an deutsche Fonds gezahlt.
Im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung des Anlageproduktes Schiffsbeteiligung und der wachsenden Bedeutung der langfristigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Charterer steigt der Bedarf an Qualitätsbewertungen. „Die Schiffscharterer sind die überwiegende Einnahmequelle für die Fonds. Ihre Bedeutung für die Wertentwicklung der Schiffsinvestitionen ist daher immens“, erläutert Steffen Möller. „Mit dem Rating geben wir Investoren einen wichtigen Anhaltspunkt für die Qualität der Charterunternehmen in ihrer Funktion als Dienstleister und Vertragspartner von Geschlossenen Fonds.“
Geprüft wurden in der Hauptsache die Unternehmens- und Flottenstruktur, die finanzielle Struktur sowie die historische Performance der Gesellschaften. Neben öffentlich zugänglichen Daten bilden Erfahrungswerte, die Scope in den vergangenen fünf Jahren durch die umfassenden Fondsanalysen gewonnen hat, die Basis der Bewertung. Die Ergebnisse stellen sich auf einer Ratingskala von AAA (hervorragende Qualität) bis D (sehr geringe Qualität) dar. Das Rating wurde nicht im Auftrag der Unternehmen durchgeführt. Fehlende Daten mussten daher mit Risikoabschlägen in der Bewertung berücksichtigt werden. Eine Aktualisierung der Ratingergebnisse und Erweiterung der Bewertungstiefe sowie der Zahl der untersuchten Charterer folgt in einem halben Jahr.
Mit dem Rating der Schiffscharterer festigt die Scope Group ihre Marktführerschaft als unabhängige deutsche Ratingagentur im Bereich Shipping Economics. „Der Markt für Geschlossene Schiffsfonds hat sich als vollwertige Assetklasse etabliert. Entsprechend werden wir auch unsere Analysetätigkeit in diesem Sektor in den kommenden Jahren weiter verstärken,“ kündigt Florian Schoeller, Geschäftsführer der Scope Holding, den strategische Ausbau der Scope Group im Bereich Shipping Economics an.